Heike Hänsel (Die Linke) im Rottenburger Tafelladen
Rottenburg. Das drängendste Problem spürten die beiden Linken gleich beim Eintritt ins Ladenlokal – Hänsel war mit Stadtrat Emanuel Peter da: „Das ist aber eng hier“, wunderte sich die Abgeordnete. „Viel zu eng“, pflichtete Regina Wolf bei, die den Tafelladen vor zwölf Jahren gründete. Zur Zeit stehe sie in Verhandlungen zwecks Erweiterung. Auf engstem Raum sortieren Janka Baum und Heidi Jahn Gemüse, das vormittags geliefert wurde. 70 freiwillige Mitarbeiter/innen engagieren sich für Rottenburgs Tafelladen. 18 000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit kommen im Jahr zusammen. 20 Lebensmittelmärkte in der Umgebung spenden regelmäßig unverkäufliche Waren. „Davon schmeißen wir drei Viertel weg. Nur ein Viertel ist verwertbar“, erläuterte Regina Wolf.
Die Spenden-Menge geht zurück, die Zahl der Hilfesuchenden nimmt zu – auf diese knappe Formel brachte die Geschäftsführerin die aktuelle Entwicklung. Gründe dafür gibt es viele: Infolge sparsamerer Warenhaltung fällt bei den Lebensmittelmärkten weniger ab, und durch neue Tafeln in der Umgebung verteilt sich die schrumpfende Menge zudem auf immer mehr Läden.
Dem stehe eine immer größere Anzahl von Bedürftigen entgegen, bestätigte Regina Wolf Heike Hänsels Vermutung. Arbeitslose und Alleinerziehende bilden zwar noch die Mehrheit, doch Rentner und Geringverdiener mit vielen Kindern sind im Kommen: „Friseurinnen, Verkäuferinnen, Angestellte des Mittleren Dienstes“, wusste Wolf. Auch immer mehr Deutsche.
Rund 200 Einkaufsberechtigungen sind im Umlauf, dahinter steht die dreifache Menge an Personen. „Die Märkte wollen, dass wir die Bedürftigkeit jährlich kontrollieren“, erzählte Regina Wolf. Emanuel Peter wiederholte seinen Vorschlag einer kreisweiten „Sozial-Karte“, damit sich die Bedürftige nicht jedes Mal entblößen müssen.
Ausführlich schilderte Regina Wolf, wie die Waren zugeteilt werden. Nach einem Nummern-System kommen die Berechtigten in den Laden, damit niemand Schlange stehen muss. Ein kleiner Obolus, etwa ein Fünftel des Marktpreises, dient der Wertschätzung – der Waren und der Kundschaft, die man nicht zu Almosenempfängern degradieren möchte.
Heike Hänsel schlug einen Bogen zur Bundespolitik. Mit ihrem Besuch wolle sie im Wahlkampf den Fokus darauf richten, dass in Deutschland 2,5 Millionen Kinder arm seien. Initiativen wie der Rottenburger Tafelladen verdienen ihrer Ansicht nach zwar „viel eher das Bundesverdienstkreuz“ als andere ausgezeichneten Personen. Strukturell könne man das Problem allerdings nur mit einem Umverteilungssystem lösen, wie es Die Linke vorschlägt. Hänsel: „Wir wollen eine Sozialpolitik, die diesen Namen auch verdient.“
Nach Unterstützungsmöglichkeiten auf kommunaler Ebene fragte Emanuel Peter. Er will sich im Gemeinderat für gesundes Schulessen und Schulmilch einsetzen, um bedürftige Familien, aber auch die hiesige Landwirtschaft zu unterstützen.
Regina Wolf fand es gut, „dass Sie durch Ihren Besuch zur Sensibilisierung für das Thema beitragen“.





